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Bericht Sbg 2016 | Weg der Versöhnung

Intensive Tage: Frühjahrssitzung des Runden Tisches beschäftigt sich weiter mit dem Flüchtlingsthema


Von Franz Rathmair

Vom 3. bis 5. März treffen sich 45 Personen aus ganz Österreich zur Frühjahrssitzung des Runden Tisches des Weges der Versöhnung im JUFA Hotel in Salzburg. In seinem Eingangsreferat führt Johannes Fichtenbauer den Anwesenden einige Trends vor Augen, die er gegenwärtig in Österreich und darüber hinaus wahrnimmt:

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a) die Betonung der inneren (auch innerkirchlichen) Reinigung – auch viele historische Kirchen besännen sich auf die Notwendigkeit der Bekehrung, und Gott benutze Papst Franziskus, um im Vatikan Missstände aufzudecken und gegen sie anzugehen;

b) Gemeinsam evangelisieren – in Wien und halb Niederösterreich geschehe „ein epochaler Wandel von Volkskirche zur Bekenntniskirche“, wobei Evangelisation und Jüngerschaft als Voraussetzung für das Entstehen neuer katholischer Gemeindeformen verstanden werden;

c) Christen und Politik – der Runde Tisch müsse noch intensiver darüber nachdenken, was das Verhältnis zwischen Christen und der Politik ist und wie Gottes Volk seinen Platz einnehmen könne;

d) Christen und die Flüchtlingsfrage – seit dem letzten Runden Tisch im November 2015, bei dem der Schwerpunkt auf den Chancen der diakonischen Evangelisation lag, verlange die geänderte Situation auch einen diakonischen Realismus, der nur so viele Menschen aufnehmen will, als integriert werden könnten: „Eine chaotisch überbordende Aufnahme von Flüchtlingen treibt Europa in die Hände von Faschisten“;

e) das Christentum und die anderen Religionen – der enorme Zustrom von Flüchtlingen aus dem Nahen und Mittleren Osten sowie aus Nordafrika konfrontiere Mitteleuropa wie nie zuvor mit dem Thema der Weltreligionen: „Als Runder Tisch werden wir uns mit dieser Thematik ebenfalls auseinandersetzen und unser Augenmerk darauf legen müssen, die Situation als Chance zu sehen, dass sich möglichst alle Lager der Christenheit auf eine biblisch verankerte Wertung der anderen Religionen einigen.“

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Als besonderes Geschenk wird von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Treffens die Anwesenheit eines irakischen Christen betrachtet, der aufgrund seiner profunden Kenntnisse der Religionen und Kulturen des Mittleren Ostens äußerst hilfreiche Gesichtspunkte einbringen kann.

Salman Hasan Ph.D., der mit seiner Frau angereist ist, wuchs in einer moslemischen Familie im Irak auf, besuchte in Ninive die Uni und kam in den 1980er-Jahren für weitere Studien nach Deutschland. Dort erkrankte er an Leukämie und hatte nach ärztlicher Prognose nur noch vier Monate zu leben. Nachdem ein Mitstudent für ihn im Namen Jesu betete, wurde Salman über Nacht vollständig geheilt: Er konnte wieder ohne Brille sehen, sämtliche Geschwüre waren verschwunden und eine 14-tägige stationäre Untersuchung im Krankenhaus attestierte seine Genesung als „Wunder“. In einem einzigartigen, längeren Prozess wurde er zum Nachfolger Jesu und von diesem berufen, verfolgten Christen seines Heimatlandes zu dienen. Die letzten 25 Jahre verbrachte er mit aktiver Flüchtlingshilfe im Irak und im internationalen Lehrdienst. Nach seinem Input im Plenum und in einem Forum fliegt der Referent bereits einen Tag später wieder in den Irak.

„Was mir besonders wichtig war, ist das Zeugnis des irakischen Bruders, der aus erster Hand seine Erfahrungen gemacht hat. Das war sehr aufschlussreich und hilfreich. Es ist wirklich hängen geblieben, dass wir als Christen sehr gerufen sind, ganz einfach Licht zu sein in Europa. Wenn wir das nicht hinkriegen, dann werden wir ein Problem haben“, meint Gaby Schubert vom „Mercy House of Prayer“ in Wien.

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Die zwei Vormittage des Treffens sind dem Thema „Dienst an Flüchtlingen“ gewidmet. In drei Forengruppen (Theologie, Evangelisation, Gesellschaftsverantwortung) wird intensiv der Frage nachgegangen, wie dieser Dienst als ganzheitliches christliches Zeugnis im Namen Jesu gegenüber Ausländern und Asylwerbenden aussieht. Im Plenum werden die Ergebnisse der Foren vorgestellt, diskutiert und schließlich erneut in die Foren zur Formulierung von Schlüsselfragen zurückgeschickt. Diese sollen zukünftig noch einmal bearbeitet werden.

Andreas Ruttinger, katholischer Teilnehmer am Runden Tisch und bis vor kurzem Leiter des größten Flüchtlingsheims in Tirol mit bis zu 420 Personen, reflektiert: „Meine Erfahrung ist einfach, dies mit dem christlichen Glauben zu verbinden und die christliche Liebe zu leben, das ist meins. Das habe ich versucht und habe damit, so glaube ich, sehr viele Herzen aufgemacht. Ich habe eine sehr breite Freiwilligenarbeit aufgebaut, weil mir das sehr wichtig war, bin da ein gewisser Pionier gewesen. Es braucht viel Mühe, die Ehrenamtlichen- und Freiwilligenarbeit zu integrieren, dann ist es aber sehr produktiv und sehr hilfreich. Ich habe festgestellt, wie man mit den Flüchtlingen umgeht und ihr Herz gewinnt. Man muss da über den eigenen Schatten springen. Ganz was Wesentliches ist Respekt.“

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In weiteren Arbeitssitzungen werden verschiedene Initiativen sowohl des Runden Tisches als auch anderer Kirchen und (über-)konfessioneller Werke vorgestellt und besprochen. Jürgen Kieninger (Fackelträger, Schloss Klaus) informiert über Pläne, auf Schloss Klaus künftig eine modulare Ausbildung zum Integrationsbegleiter anzubieten. Das Interesse der Anwesenden an diesen Kursen ist groß, es wird ein echter Bedarf dafür in unserem Land gesehen.

Rückblickend auf die Tagung meint Rainer Saga (Regionalleiter von Geschenke der Hoffnung Österreich): „Was so klar geworden ist, ist die eigenen Werte und Grenzen und Kultur nicht aufzugeben im Kontext der Flüchtlinge. Dass eben Liebe nicht heißt, unsere Kultur aufzugeben, sondern Liebe heißt, Menschen zu helfen im Kontext unserer Kultur. Und wie wir dabei als Christen die Politik unterstützen können, genau das zu tun, damit wir nicht untergehen und unsere eigene Identität verlieren.“

Eine Teilnehmerin aus Wien zeigt sich hoch erfreut über den Wert dieser Tagung: „Was mir sehr hängen geblieben ist, ist die Vielfalt des Runden Tisches, die Vielfalt der Teilnehmer – das ist mir nicht neu, aber immer wieder beeindruckend, was da alles für bunte Schäfchen des Herrn herumlaufen und miteinander können! Das ist einfach immer wieder unheimlich schön.“